Einmal neu gedacht...

Was wir aus Krisen lernen können

Die Krise als Chance sehen

Das Wort Krise stammt aus dem Lateinischen ("crisis") und steht für "Entscheidung, entscheidende Wende". Versteht man das Leben als einen Entwicklungsprozess, in dem sich Stabilität und Wandel ablösen, gehören Zeiten von Instabilität ganz einfach als "normale" Begleiterscheinungen dazu. Diese Zeiten sind Phasen, in denen wir unseren bisherigen Lebenweg als nicht mehr passend empfinden, ihn in Frage stellen und die Notwedigkeit einer Neuorientierung sehen. Nur so können wir übrigens unsere persönlichen Kompetenzen und Ressourcen ein Leben lang erweitern und ausbauen.

Das klingt nun erst einmal positiv, doch das Problem an der Krise ist ja, dass die Betroffen nicht sofort Zugriff auf ihre Ressourcen haben. Sie sind gelähmt - von der Angst vor Veränderung, vom Schmerz, das Alte und Gewohnte loslassen zu müssen. Für die Betroffenen selbst erscheint die  Situation meist ausweglos, sie ruft (existenzielle) Ängste und Zweifel hervor, im schlimmsten Fall lässt sie die Betroffenen bis zur Bewegungslosigkeit erstarren. Genau hier braucht es meist einen Anstoß von Außen.

 

Menschen in entscheidenden und herausfordernden Lebenssituationen begleiten - wie sieht das aus?

Die systemische Krisenintervention betrachtet vor allem das Krisenerleben im Kontext von Lebenswelt und Lebensgeschichte der Klienten. Eine Krise wird als eine sinnvolle Antwort auf Lebenszusammenhänge gesehen, die im Hier und Jetzt für die Betroffenen nicht mehr passend sind und diese dazu zwingen, neue Wege zu gehen.

In Krisenzeiten zeigen sich Klienten also meist besonders hilflos und defizitär und laden iher Umwelt zwangsläufig dazu ein Verantwortung für sie zu übernehmen, ihnen zu zeigen, wo die nächsten Schritte liegen, was sie tun sollen.

Doch genau das ist systemische Therapie nicht. Es geht vielmehr darum, den Klienten wieder dazu zu befähigen Eigenverantwortung übernehmen zu können. Der systemische Berater will den Klienten nicht in eine bestimmte Richtung "steuern", er schafft lediglich den Rahmen, in dem sich neue Ideen und Perspektiven im gegenseitigen Austausch entwickeln können. Der Klient wird eingeladen, die Krise als Entwicklungschance zu sehen und zu nutzen.

 

Warum also nicht einmal eine Krise aus einer anderen Perspektive betrachten? Was können wir für uns aus schwierigen Situationen auch gewinnen? Wenn wir in solchen Zeiten einmal kurz innehalten  und versuchen von oben auf die Dinge zu sehen, bemerken wir meist sehr schnell, wie uns vor allem Krisen bereichern können. Sie können uns Kraft geben, sie können uns dazu bewegen umzudenken, neue Wege zu beschreiten, mutig zu sein... Wir werden ganz automatisch um Erfahrungen reicher.